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Sonntag, 29. Juni 2025



Unser lang ersehntes Treffen mit Silvia

Runter zum Bus


Um halb sechs gehen wir runter zur Hauptstraße.

Wie oft schon sind wir – auch jetzt in diesem Urlaub – über die uralten Wege und Stufen gegangen? Die Steine kennen inzwischen unsere Schritte, und wir kennen jede schiefe Stufe.

Wir reden wenig. Vielleicht, weil wir wissen, dass es übermorgen wieder nach Hause geht. Vielleicht, weil „Ruhigsein“ zu diesen Gassen passt. Oder weil Worte ohnehin nicht reichen für dieses ganz besondere Gefühl – wenn ein Ort langsam zu einem kleinen Stück von einem selbst geworden ist.

Unten am Postamt wirft Susanne die Karten für unsere Freunde ein. Bis der Bus kommt, dauert es noch 20 Minuten, Zeit genug, um die Via Aurelia lang noch bis zur nächsten Bushaltestelle gegenüber der Policia Municipale zu laufen.

Da sitzen wir nun in der prallen Sonne vor der „Bar Giada“. Wenn man auf den Bus wartet und die Sonne sticht, sind die Minuten länger als die berühmte „letzte Minute eines Waschgangs“.

Im Bus nach Diano Marina


Endlich, der Bus kommt. Wir steigen ein und beobachten die Straße vor uns.

Bis wir aussteigen müssen, ist noch Zeit. Erst mal unter der alten Eisenbahnbrücke hindurch, über das Flüsschen Steria an der Gemeindegrenze Cervo/San Bartolomeo al Mare …

… aber dann heißt es aufpassen! Nee, am Kreisverkehr noch nicht. Am Hotel Villa Daniela auch noch nicht. Wahnsinn, wie lange drei Kilometer sein können. Doch da, das Ortsschild von Diano Marina. „Hier?“ „Ne, wir müssen doch erst noch irgendwo links! – Hey, Hotel Bellevue, bei der nächsten müssen wir raus.“ „Ne, erst noch über ein Flüsschen!“ „Drück!“  Susanne drückt das Knöpfchen. Doch zu früh? – Ne passt, rechts ist die „Chiesa di Sant’Antonio Abate“. Wir steigen aus.

Wann geht ein Bus zurück?


Am Delfinbrunnen, gleich gegenüber der Kirche wollen wir um halb acht Silvia treffen. Jetzt ist es halb sieben, aber wir müssen ja auch noch rauskriegen, wo und wann am späten Abend ein Bus zurückfährt nach Cervo. Die Haltestelle ist schnell gefunden, doch einen Fahrplan – das ist in Italien anscheinend Standard – gibt es hier natürlich nicht. Dumm nur, ich habe zwar zu Hause einen ausgedruckt, den aber im „Eco del Mare“ vergessen.

Doch eine hilfreiche italienische Familie ist mit ihrem Smartphone schnell zur Stelle. 22:10, 22:40, 23:10, 0:10, 1:10. Da müsste doch was dabei sein.

Ein Abend mit Silvia

Zum Straßenfest fehlt nur noch eine


Heute steigt im Zentrum von Diano Marina die „Notte di Inizio Estate“, die festliche Eröffnung der Sommersaison. Die Veranstaltung ist Teil der 13. Auflage von „Divertiamoci a Diano“, einem zweitägigen Sommerfest mit Märkten, Musik und Unterhaltung. Ab 21:00 Uhr gibt es verschiedene Live-Musikauftritte und DJ-Sets.

Unter anderem treten auf

  • The Fam“ in der Via Genova,
  • Rotta a Ponente“ in der Via Canepa und
  • „L’Altra Musica“ in der Piazza Martiri della Libertà

Dazu kommen einige DJs wie

  • Paolo Bianco,
  • Rudy Mas & Mimmo sowie
  • Brego & Pierre Picozzi

Wir setzen uns auf eine Bank nahe der „Molo delle Tartarughe“, dem Schildkrötenpier, und warten.

Heute Nachmittag fand hier übrigens noch eine Demonstration des Komitees „Ponente contro i CPR“ statt. Der zwei Kilometer lange Protestmarsch begann um 16:00 Uhr eben hier am Delfinbrunnen und führte bis zur ehemaligen Kaserne Camandone in Diano Castello unterhalb der Autobahn. Ziel war es, gegen die geplante Errichtung eines Abschiebehaftzentrums (CPR) in der Region zu protestieren.

Wir warten und warten. Eins ums andere Auto kommt, trotz Halteverbot. „Ist sie das?“ „Ne!“ Man kann sich schon mal irren, immerhin haben wir Silvia seit sieben Jahren nicht mehr gesehen. Und dann ist sie da! Nach all der Zeit, stehen wir uns wieder gegenüber. Es ist ein Moment, den man einfach nicht beschreiben kann – vertraut, warm, einfach echt. Die Art, wie wir uns begrüßt haben – dieser Blick, diese Umarmung – das ist mehr als man mit Worten aussagen kann. „Ich muss noch einen Parkplatz suchen, ich darf hier nicht stehenbleiben.“ Aber sie ist da. Wir freuen uns wie Kinder.

Wie früher, nur heute


Kurze Zeit später ist sie wieder zurück. Wir gehen zur Piazza Martiri della Libertà und dann links in die Via Roma. Die Straße ist gesäumt von Ständen mit lokalen Produkten, Kunsthandwerk und Street Food. Ein besonderes Highlight ist der „Happy Shopping“-Bereich, der bis spät in die Nacht geöffnet hat.

Die Straße, die Lokale, alles gerammelt voll. Da hätten wir wohl reservieren sollen. In der „Pizzeria al Cento-16“ finden wir dann noch einen freien Platz im Freien. Jeder bestellt sich eine Focaccia, dazu Wasser und ich – wie üblich hier in Italien – Cola. Ich brauch den Zucker einfach, wenn ich derart schwitze.

Wir reden und reden und reden, als ob wir uns nie aus den Augen verloren hätten. Wir erzählen vom grandiosen „Eco del Mare“ und von unserer Delfin-Tour am Donnerstag, Silvia erkundigt sich, bevor sie was anderes fragt, nach meinem Befinden – immerhin musste ich 2018, als wir uns das letzte Mal sahen, in Sanremo sogar ins Krankenhaus. „Alles gut, bestens!“ Dann erzählt uns Silvia, dass sie von ihrer Wohnung in Sanremo aus sogar schon mal Finnwale gesehen hat.

Weil wir Silvia auch einmal – wenigstens ein einziges Mal – einladen wollten, bin ich zum Zahlen rein ins Lokal. Bei all den Treffen in den letzten 25 Jahren war es immer Silvia, die eingeladen hat. Liegt’s an der Sprache oder einfach an dieser typisch italienischen, oder silvia-typischen Gastfreundschaft?

Doch diesmal bin ich schneller. Ich habe längst bezahlt, als sie entschlossen zum Tresen im Gastraum kommt. Ich schau sie an, setze mein strengstes Gesicht auf – und herrsche sie mit gespieltem Ernst an: „Raus!“ Ein Moment der Überraschung, aber sie akzeptiert es. Und wieder ist es da: dieses alte, tiefe Einverständnis zwischen uns. Über all die Jahre hinweg.

Nah beieinander, weg vom Lärm


In den Gassen von Diano Marina wird Musik gemacht, teilweise so laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Deshalb gehen wir lieber runter ans Meer, an der Bagni Delfino (dort sind Delfin-Mosaike in die Uferpromenade eingelassen) und an der Spiaggia Liberta flanieren.

Von der Mole aus, die den Yachthafen im Nordosten abschließt, kann man die hell erleuchtete, drei Kilometer entfernte Kirche „San Giovanni Battista“ in Cervo sehen. Dort müssen wir heute noch hin. Die drei Kilometer sind kein Problem, da fährt der Bus. Aber die 70 Höhenmeter hoch. Ach Quatsch, das haben wir am Donnerstag auch geschafft und da war es – tagsüber – wesentlich heißer.

Kein Weg zu weit, kein Dorf zu steil


Mit Blick auf die Uhr – der Bus fährt um 23:10 Uhr und danach nur noch stündlich – wollen wir uns von Silvia verabschieden – sie muss morgen auch früh raus. Doch trotz allem, für Silvia wäre es eine Schande – ja fast eine Beleidigung –, wenn sie uns nicht nach Hause fahren dürfte. Uns den steilen Anstieg zum „Eco del Mare“ zu ersparen, ist für sie keine Gefälligkeit, sondern eine Frage der Ehre. Und so steigen wir mit zu ihr ins Auto – dankbar, und – wie immer bei Silvia – über alle Maßen verwöhnt.

Was machen wir jetzt mit den Busfahrkarten? Silvia will sie nicht! „Schenk sie irgendeinem, der sie brauchen kann!“ Notgedrungen steckt sie die Tickets ein.

Dann verabschieden wir uns. Danke für alles, Silvia, für alles, was du immer für uns getan hast – ohne großes Gerede. Du hast es einfach gemacht. Du hast nie um etwas gebeten, immer nur geholfen. Solche Menschen gibt es eigentlich gar nicht. Vielleich einen bei einer Million. Wir hoffen, wir sehen uns bald wieder – und dann gibt’s wieder ein ordentliches Wiedersehen.

Silvia stellt in Aussicht, dass wir uns vielleicht im Februar 2026 in München sehen können, wo sie beruflich zu tun hat. „Ich versuche, einen halben Tag frei zu bekommen!“

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Treffen mit Silvia

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